Sabine WIDI-TESSLER

Untertitel

Blog

Erdbeermarmelade versus Intensivstation

Gepostet am 18. Juni 2017 um 2:35

Willkommen!

Durch die Umstellung meiner neuen Domain war es einige Zeit nicht möglich, den Blog aufrecht zu halten. Doch das hat sich erfreulicherweise geändert und daher gibt es ihn ab jetzt wieder.

Daher nachstehend einer meiner neuesten Beiträge zum Thema:

"Erdbeermarmelade versus Intensivstation"

Hört sich ziemlich eigenartig an, oder?!

Ich möchte kurz meinen Titel erklären:

Dass ich heute nicht ausreichend darauf geachtet habe, dass die Erdbeermarmelade plötzlich überkochte und daher meine Küche verwüstet hat, lag an mir.

Nur an mir!

Ich war unaufmerksam.

Ich durfte daher 3 Stunden reinigen und habe dazu gelernt ;-)

Aber-

Dass trotz monatelanger Betreuung bei meinem Mann im Zusammenhang seiner Herzklappen-OP und der darauffolgenden Sepsis und trotz der täglichen Aufmerksamkeit und Fürsorge sowie sämtlicher umsetzbarer Möglichkeiten der modernen Medizin dennoch kein Überleben möglich war, konnte ich nicht steuern.

Es war Schicksal.

Ich gebe zu, dass ich mich damals unfähig gefühlt habe, denn ich konnte das Leben meines Mannes nicht retten, obwohl ich alles menschenmögliche versucht hatte.

Ich gebe zu, dass ich mich als Opfer fühlte, somit wäre das halt dann die „Opferrolle“, oder?!

Und ich gebe zu, dass ich mich unmittelbar nach seinem Ableben in einem finanziellen Desaster befand, weil mein Mann nicht einmal Geld für eine Bestattung hinterlassen hatte... und neuerlich fühlte ich mich als Opfer...

Ein lieber Facebook-Freund hatte heute einen für mich ziemlich provokanten Beitrag geschrieben.

Da ging es um Eigenverantwortung, Sündenbock, finanzielles Desaster, Unfähigkeit, Starre, etc.

Eine sehr umfangreiche und intensive Auseinandersetzung ist dafür nötig, um die jeweilige Essenz herauszuarbeiten.

Ich gebe zu, dass es eine Menge an Situationen im Leben geben kann, wo wir in verschiedenen Momenten des Lebens nicht so gerne Verantwortung übernehmen, in die Opferrolle fallen können, Sündenböcke für unser Desaster suchen, etc.

Ja, ich weiß, das gibt es. Und es ist auch durchaus menschlich, so zu handeln. Es ist auch nicht zwangsläufig zu verurteilen, denn viele Menschen sind halt noch nicht so weit, dass sie alles souverän in ihre Hände nehmen können und entsprechend handeln. Aber all das ist ein „Plan“.

Ein Plan, der uns mitgegeben wird und den wir auch erst dann erfüllen können, wenn wir soweit sind. Es steht Niemanden zu, diesen Plan zu kritisieren oder ihn zu beurteilen!

Und dann gibt es noch die „andere Seite“. Diese Situationen, wo wir sogar sehr gerne Kontrolle darüber übernehmen wollen, aber wir sie nicht erhalten. Wo wir Verantwortung übernehmen wollen und sie nicht tragen dürfen. Wo wir unser Desaster klären wollen und keine Möglichkeit haben, weil es nicht von uns verursacht oder gemacht wurde und wir nur mit den Auswirkungen konfrontiert werden.

Da gibt es Situationen, die uns vom Schicksal „geschenkt“ werden, um zu reifen.

Da gibt es Situationen, denen wir ohnmächtig begegnen müssen und sie nur annehmen können.

Da gibt es Situationen, in denen momentan keine Handlungsmöglichkeit besteht, weil das Schicksal stärker ist.

Ja, es gibt eine ganze Menge an solchen Situationen, in denen wir weder Kontrolle haben, uns auf Verantwortung oder einen einfacheren Weg konzentrieren können. Es gibt diese scheußlichen Situationen im Leben, in denen wir tatsächlich fast hilflos ausgeliefert sind und nichts, absolut nichts dazu beizutragen vermögen um diese in Wohlgefallen auflösen zu können.

Erst dann, wenn wir diese Chance erhalten, wieder aktiv zu sein, erst dann, sind wir wirklich imstande, über Eigenverantwortung, Opferrolle, Desaster, Starre und Sündenböcke nachzudenken und es entsprechend zu verändern.

Und wirklich erst dann!



Kategorien: Keine

Kommentar posten

Uuups!

Oops, you forgot something.

Uuups!

Die eingegebenen Worte stimmen nicht mit dem Text überein. Bitte versuchen Sie es erneut.

0 Kommentare